1996-07-06 zdfIn den Anfangszeiten des Internets war es nicht ganz einfach, eine kostengünstige Zufahrt zur Datenautobahn »Internet« zu bekommen. Die Verbindungen waren nicht nur schleppend langsma. Es lauereten leider auch Wegelagerer, die gar nicht daran dachten, die versprochene Leistung auch zu erbringen. In einem vom ZDF im Abendmagazin ausgestahlten Beitrag berichtete Rechtsanwalt Strömer am 6. Juli 1996 von den Gefahren an der Zufahrt zum Datennetz.

Moderator Günther Neufeldt:

Die Welt der Computer und der Datennetze, die haben auch unseriöse Geschäftemacher für sich entdeckt - Beispiel: Internet. Da kann sich ja nicht jeder so einschalten wie ins Fernsehprogramm. Man kommt da nur rein mit Hilfe eines so genannten Providers. Das ist eine Firma, die den Kontakt herstellt zwischen dem einzelnen Kunden und bestimmten Angeboten im Datennetz. Das lässt sich der Provider natürlich bezahlen. Aber: Nicht jeder, der zahlt, kriegt dann auch was dafür.

Stimme aus dem Off:

Surfen auf der Datenautobahn: An der grenzenlosen Kommunikation mit der ganzen Welt wollen immer Menschen teilnehmen. Eine Möglichkeit dazu bietet das Internet, in dem sich bereits 50 Millionen Weltbürger tummeln, 180.000 davon in Deutschland. Und täglich werden es mehr.

Einer davon ist Andreas Kirchner, der sich über die Wiesbadener Providerfirma Protel Zugang zum Internet verschaffte. Nur 30 Mark pro Monat kostete der Anschluss, allerdings für ein halbes Jahr im voraus zu bezahlen. Über eine 0130-Nummer konnte er sich zudem kostenlos einwählen. Doch nach anfänglich guten Erfahrungen folgte bald die Ernüchterung:

Andreas Kirchner:

Die Firma Protel ist hergegangen, hat die Beiträge zu ihrem Internetzugang bereits von den Usern abgebucht und, wie Sie selbst sehen, kommt man nicht mehr rein. Dieser Zustand hält eigentlich schon so an seit Januar. Das heißt: Seit Januar haben Sie kaum noch 'ne Möglichkeit gehabt, über Protel ins Internet herein zu kommen.

Stimme aus dem Off:

Mit ihrem scheinbar so günstigen Angebot lockte Protel mehr als 7.000 Kunden an. Doch viele von ihnen bekamen nie einen Zugang zum Internet. Protel hatte nicht die nötige Infrastruktur eingerichtet. Der Telekom schuldet die Firma Telefongebühren in sechsstelliger Höhe. In den Büroräumen in Wiesbaden ist seit Wochen niemand mehr anzutreffen. Das Telefon ist abgemeldet.

Inzwischen haben Protel-Geschädigte eine Interessenvereinigung gegründet und Anzeige erstattet. Vertreten werden sie von Tobias Strömer, der sich auf Computerkriminalität spezialisiert hat. Wie kann man sich vor unseriösen Providern schützen?

RA Tobias H. Strömer:

Man sollte im Internetbereich genau das tun, was man woanders auch tut, also sich erkundigen bei Verbraucherschutzverbänden oder bei Interessengemeinschaften, die es inzwischen gibt. Man sollte die Verträge, die man abschließt, nicht auf zu lange Dauer anschließen, sich nicht zu lange binden. Man sollte insbesondere keine Vorauszahlungen leisten, jedenfalls nicht über die Dauer eines Monats hinaus. Und man sollte, wenn man sich gegenüber dem Provider schon binden, Einzugsermächtigungen erteilen aber keine Abbuchungsaufträge.

Stimme aus dem Off:

Vorsicht ist also geboten bei der richtigen Wahl des Providers. Für die Protel-Kunden jedenfalls haben sich die scheinbar so günstigen Gebühren nicht ausgezahlt.

© ZDF. Bericht: Peter Theisen, Kamera: Gerald Gegner, Schnitt: Nanni Leitner

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